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Elisabeth Biström interpretiert LINUM.

Es ist Spätwinter in der schwedischen Region Roslagen und in Nord-Kurven, kämpfen die letzten Schneehaufen um ihr Überleben. Seit Wochen wechseln sich Tauwetter und Frost ab und die Straße vor uns glänzt verräterisch glatt. Langsam gleiten wir an Höfen, Häusern und Pferdeweiden vorbei und kleine Ponnys mit pelzigem Winterfell schauen dem Auto neugierig nach. Auf einem kleinen Holzschild lesen wir „Elisabeth Biström, ateljé“. Wir haben unser Reiseziel erreicht.

Elisabeth Biström ist die Kunstlehrerin, die Aquarellkünstlerin wurde. Ursprünglich stammt sie aus Västerbotten in der schwedischen Region Norrland, jetzt ist sie in Roslagen zu Hause und wohnt in einem Haus aus dem 17. Jahrhundert. Auf dem kleinen Hof, ungefähr in der Mitte von Uppland, wohnen auch ihr Mann und ihre Kinder. Hier spielt sich ihr Leben nun ab und hier findet sie ihre Motive. Anlässlich ihrer außergewöhnlichen Aquarell-Interpretationen stellten wir Elisabeth Biström ein paar wohl durchdachte Fragen. Das Gespräch kreiste dann sowohl im konkreten als auch übertragenen Sinn um die kleinen und großen Pinselstriche.

Wie empfanden Sie die Anfrage zu diesem Projekt?

Ich bekomme viele Angebote, doch oft handelt es sich um Dinge, die allzu wenig mit mir selbst zu tun haben. Als ich gefragt wurde, ob ich etwas malen könne, klang das auf kreative Weise interessant, denn ich drücke mich ja durch die Kunst aus. Ich bekam so viel freie Hand, dass es zu einem künstlerischen Projekt wurde, das Spaß machte.

War es schwierig, LINUM zu interpretieren?

Ich bin so an die Aufgabe herangegangen, wie ich an alle meine Motive herangehe. Ich bilde ja das ab, was sich in meiner Nähe befindet. Ich drehe und wende es, versuche herauszufinden, ob da mehr ist als das zunächst Offensichtliche. Ich mag das Alltägliche und das, was ansonsten vielleicht leicht übersehen wird. So bin ich auch diesmal vorgegangen. Wenn man sich das Bild, welches den PEPPER Kissenbezug darstellt, genau anschaut, sieht man den melierten Ausdruck des Stoffes, winzige Details, mit denen ich die Struktur des Kissenbezugs eingefangen habe. Im Unterschied zu dem, was viele glauben, ist das eine friedliche, fast meditative Arbeit. Es ist eine Geisteshaltung und keine Geduldsprobe.

Sind Sie mit dem Ergebnis zufrieden?

Ja, das bin ich! An Linum gefällt mir, dass die Marke nicht dauernd neue Kollektionen herausbringt und versucht die Leute zu verführen, ständig Neues zu kaufen. Ich selbst möchte die Sachen, die ich nun für mein Zuhause kaufe, am liebsten nie austauschen. Als ich jünger war, bin ich so oft umgezogen, das hat mich entwurzelt. Es war etwas Besonderes, wenn man früher zu Oma nach Hause kam, dort veränderte sich nie etwas. Vielleicht vollzieht sich da gerade ein Generationswechsel? In meiner Generation machen sich viele Menschen so viele Gedanken darüber, was andere von ihrem Zuhause halten. Für Oma war es sehr wichtig, wie es aussah, die Meinung anderer kümmerte sie jedoch nicht. Heutzutage behandeln wir unsere Wohnung so, als lebten wir mitten in einer Einrichtungszeitschrift.

Wie kam es, dass sie Aquarellmalerei als Ausdrucksform gewählt haben?

Ursprünglich habe ich mit vielen verschiedenen Techniken gearbeitet, doch dann habe ich mich für Aquarell entschieden. Seit über zwanzig Jahren arbeite ich schon mit dieser besonderen Ausdrucksform und es hat lange gedauert, sie zu lernen. Aquarellmalerei gehört zu den schwierigsten Formen und ich finde sie immer noch schwierig. Ich entdecke ständig Neues und entwickle mich vor allem dadurch weiter, dass ich aus Fehlern lerne. Aquarellmalerei bietet Raum für so vieles, sie kann zart, durchsichtig und fast poetisch sein oder richtig roh. Egal, was man darstellen möchte, so hat man bei den Motiven immer nur eine Chance.

Wie wählen Sie Ihre Motive?

Es gibt die Vorstellung, dass dem Dasein als Künstler etwas Dramatisches und Angstvolles innewohnt. Für mich gilt das nicht. Mein Leben ist friedlich und alltäglich und es ist ein großes Privileg, damit arbeiten zu dürfen. Ich male das, was ich in meiner Umgebung sehe, zum Beispiel fahre ich auf dem Weg zum Kindergarten an einem großen Kahlschlag vorbei. Ich überlegte, ob ich daraus vielleicht etwas gestalten könnte. Aus der Idee entstanden schließlich 40 kleinere Bilder und eine ganze Ausstellung. Ich muss nicht ans andere Ende der Welt reisen, um Inspiration und Motive zu finden, sondern es ist wichtig für mich, das zu schätzen, was ich in meiner Nähe habe, und damit zu arbeiten. Auch hier scheint die Sonne auf wunderschöne Weise durch das Gras.

An wen wenden Sie sich mit Ihrer Kunst?

Viele, die meine Tätigkeit verfolgen, malen selbst. Vielleicht ist das eine Art roter Faden?

Welchen Rat würden Sie jemandem geben, der mit der Aquarellmalerei anfangen möchte?

  1. Warte nicht mit dem Malen, bis du dich inspiriert fühlst. Setz dich einfach hin und fang an. Der perfekte Zeitpunkt kommt selten, deshalb ist es wichtiger, anzufangen und dann einfach weiterzuarbeiten.
  2. Stelle nicht so hohe Anforderungen an dich selbst. Viele Menschen meinen, kreative Arbeit sollte so wunderbar, frei und anspruchslos sein. Aber warum denn eigentlich? So betrachten wir unsere anderen Aufgaben ja auch nicht, zum Beispiel „Heute kann ich den Bus nicht fahren, da ich nicht inspiriert genug bin“. Wir dürfen im Schaffensprozess nicht so streng mit uns selbst sein und erwarten, dass alles perfekt wird.
  3. Akzeptiere, dass es schwierig ist. Es muss nicht immer etwas werden. Eine schöpferische Tätigkeit muss nicht immer in ein Werk oder ein Produkt münden. Sie kann doch ein schöner Moment sein, in dem man so sein darf, wie man ist, und sich auf etwas konzentriert, das man mag.
  4. Es gibt den Mythos des „einsamen Malers“. Eine künstlerische Tätigkeit muss überhaupt nicht einsam sein. Es ist schön, sich mit anderen zu treffen und gemeinsam zu malen. Vielleicht ist die Begegnung mit anderen manchmal sogar wichtiger als die eigentliche Kunst?
  5. Und last but not least: Kaufe gutes Papier!

Elisabeths Gedanken zu den Farben:

Aquarellfarbe ist einzigartig, dabei spielen mehr Faktoren eine Rolle als nur die Farbe. Als Maler muss man etwas über die Farbtöne wissen, aber auch über die unterschiedlichen Eigenschaften der einzelnen Farben, zum Beispiel, ob sie transparent oder undurchsichtig sind. Zu Elisabeths eigenen Lieblingsfarben gehören rohes Umbra, französisches Ultramarin, Antwerp Blue und gebranntes Siena.

Mehr über Elisabeth Biström:

Weitere Informationen zu Elisabeth Biström finden Sie auf https://elisabethbistrom.se/, dort können Sie auch einige ihrer Bilder kaufen. Im Mai stellt Elisabeth im Tingshuset in Mariestad aus. Elisabeth vermittelt ihr Know-how auch in einem Online-Aquarellkurs und diskutiert gerne über Malerei in ihrer besonders freundlichen Facebook-Gruppe „Akvarellister emellan“ (Aquarellmaler unter sich).