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LINUM trifft; Maria Soxbo.

Maria Soxbo ist Journalistin, Autorin und Dozentin, die eine der wichtigsten Fragen unserer Zeit, die Klima-Frage, vorantreibt. 2021 schrieb sie acht Kolumnen zu diesem Thema für uns, wobei uns jeder Text wirklich zum Nachdenken über Konsum, Erneuerung und die ständige Habgier unserer Zeit anregte.

Bei diesem Treffen lassen wir die Zusammenarbeit im vergangenen Jahr Revue passieren, sprechen darüber, was seit unserer letzten Zusammenkunft geschehen ist, und untersuchen, ob sich im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie neue Ideen und Überlegungen ergeben haben.

Maria Soxbo ist Journalistin, Autorin und Mitbegründerin von Klimatklubben.

Erzählen Sie, Maria, was ist seit 2021 passiert? Welche Projekte stehen bei Ihnen an und woran arbeiten Sie im Moment?

Ich habe vor allem an meinem neuen Buch „Ställ om! Allt att vinna på ett klimatsmart liv“ (Stellt die Weichen um! Die Vorteile einer klimafreundlichen Lebensweise) gearbeitet, das im September 2022 herauskommt. Es hat so viel Spaß gemacht, ein Klimabuch aus einer positiven Perspektive zu schreiben! Im Moment sitze ich an der Endkorrektur, gleichzeitig arbeite ich weiterhin an einem großen Projekt im schwedischen Klima-Club „Klimatklubben“, daneben halte ich Vorträge, sende Pods und bin wie üblich journalistisch tätig. Im April erhielt ich außerdem die Möglichkeit, einen TedX Talk über Greenwashing zu halten, das war eine fantastische Gelegenheit, über ein Thema zu sprechen, das mir wirklich am Herzen liegt.

Die Pandemie kam und ging in Wellen unterschiedlicher Stärke, im Moment scheint ihre Kraft jedoch abgenommen zu haben. Welchen Einfluss hatte Covid-19 auf Sie? Welche Gedanken haben Sie sich während dieser Zeit gemacht? Gibt es Überlegungen, die Sie mit uns teilen möchten?

Die Auswirkungen auf mich waren in erster Linie die gleichen wie bei den meisten anderen Menschen: Vieles von dem, was ich früher live gemacht habe (zum Beispiel Vorträge), fand oder findet stattdessen in digitaler Form statt. Das funktioniert zwar, ist aber natürlich etwas weniger schön. Ich hatte auch mehr Zeit für andere Dinge und ich habe viel darüber nachgedacht, wie vorteilhaft das eigentlich ist, wenn man weniger Stress und mehr Zeit für die Familie hat. Diese Gedanken haben sich dann auch im Buch niedergeschlagen. Man muss jedoch dazusagen, dass ich natürlich Glück hatte, da ich weder selbst krank wurde noch einen Angehörigen aufgrund der Pandemie verloren habe. Und ich musste ja auch nicht im Gesundheitswesen kämpfen.

Glauben Sie, dass sich die Menschheit durch die Pandemie grundlegend verändert hat und dass wir nun anders als zuvor denken und handeln werden, zum Beispiel in Bezug auf Gewohnheiten, Verhaltensmuster oder die Einstellung zum Klima und zum Konsum?

In gewisser Weise sicherlich. Ich glaube, viele Arbeitgeber werden umdenken und Mitarbeiter, die dies möchten, teilweise von zu Hause arbeiten lassen, da nun bewiesen ist, dass das geht. Sicher werden mehr Meetings als früher auch weiterhin in digitaler Form abgehalten werden und es wird sicherlich weniger unnötige Geschäftsreisen geben. Dagegen glaube ich nicht, dass wir uns neue Urlaubsgewohnheiten zugelegt haben, im Gegenteil: Die Sehnsucht danach, wieder in die Sonne zu fliegen, scheint nun leider sehr groß zu sein. Die Emissionen steigen wieder, in vielerlei Hinsicht haben wir es also nicht geschafft, diese merkwürdige Zeit für die Beschleunigung der Umstellung zu nutzen, obwohl die Voraussetzungen eigentlich perfekt waren.

Glauben Sie, dass die Klimafrage durch die Pandemie verdrängt wurde?

Ohne Zweifel. Die Pandemie war natürlich auch eine ernste Krise, die bewältigt werden musste, doch das Klima wird immer in den Hintergrund gedrängt. Dabei ist die Klimafrage eine Krise, die alles andere überschatten sollte. Im Jahr 2021 gab es in den schwedischen Medien 4,5 Millionen Artikel und Berichte über die Pandemie, aber nur 180 000 über das Klima. Auf einen Klimaartikel kamen im letzten Jahr also 25 Coronaartikel. Und während zur Pandemie 124 offizielle Pressekonferenzen abgehalten wurden, gab es zur Klimakrise immer noch keine einzige. Und nun ist in Schweden Wahljahr, was auch die Gefahr birgt, dass notwendige, aber unliebsame Entscheidungen auf die Zukunft verschoben werden.

Was glauben Sie, wird in Zukunft mit Marken passieren? Viele haben ja vor der Pandemie mit ihrer „grünen Verbesserungsreise“ begonnen und in dieser Richtung weitergearbeitet. Was können wir Ihrer Meinung nach in Zukunft erwarten?

Ich glaube und hoffe, dass immer mehr Unternehmen das Tempo bei dieser Reise beschleunigen werden, gleichzeitig glaube ich auch, dass die Gesetzgebung und die Vorschriften strenger werden. Vor allem hoffe ich, dass mehr Unternehmen Abstand vom Greenwashing nehmen und transparenter in Bezug auf die Herstellung ihrer Produkte werden, die Volumen verkleinern und sich stattdessen auf eine bessere Qualität und zusätzliche Dienstleistungen wie Secondhand, Reparaturdienste und Vermietung einrichten. Ich freue mich wirklich auf die Weiterentwicklung der Sharing Society und der Kreislaufwirtschaft und ich glaube, dass Unternehmen, die so schnell wie möglich auf diese Dinge setzen, auf lange Sicht sehr viel gewinnen werden.

Wie war es, für LINUM Kolumnen über dieses Thema zu schreiben? Hat Sie das auf neue Ideen gebracht? Oder haben Sie Gedanken zusammengefasst, die Sie schon eine Weile mit sich trugen?

Es hat unglaublich viel Spaß gemacht, für ein Publikum zu schreiben, das so deutlich an Einrichtung interessiert ist, und zu versuchen, die besten Aspekte in Bezug auf Nachhaltigkeit für dieses Publikum zu finden! Vieles von dem, worüber ich geschrieben habe, habe ich natürlich auf die eine oder andere Weise zum Beispiel auch im Blog berührt, doch seit ich nicht mehr bei einem Zeitschriftenverlag angestellt bin, hat mir das Schreiben von Kolumnen wirklich gefehlt. Es war wunderbar, dass ich mich diesem Format wieder zuwenden konnte. Das möchte ich gerne häufiger tun; es ist lehrreich und macht auch Spaß, sich zu einem Thema so treffend und einprägsam wie möglich auszudrücken.

Wenn Sie versuchen in die Zukunft zu blicken, können Sie drei Bereiche nennen, die Ihrer Meinung nach künftig „boomen“ werden?

1. Ich glaube, dass Secondhand in der Gesellschaft immer wichtiger werden wird. Und zwar mehr auf bestimmte Nischen abgestimmtes Secondhand, sowohl in Bezug auf den Stil als auch die Art des Angebots. Eine Normverschiebung von Neuproduktion zu Dingen, die schon einmal geliebt wurden!

2. Vegetarisches wird in vielen Zusammenhängen immer selbstverständlicher werden. Fleisch wird auf Konferenzen zur „Spezialkost“, statt wie heute zur Norm, und wenn wir Fleisch essen, wird es wichtig, dass es sich um Fleisch von schwedischen Weidetieren handelt, die zur Artenvielfalt beitragen.

3. Wir werden uns selbst mehr als Nutzer denn als Besitzer betrachten. Es wird selbstverständlicher werden, eine Heckenschere, ein Zelt oder ein paar Schlittschuhe zu mieten, wenn wir diese Gegenstände brauchen, statt eine Menge Dinge zu Hause zu haben, die wir höchstens einmal pro Jahr benutzen.

Maria Soxbo ist Journalistin, Autorin und Mitbegründerin von Klimatklubben, einer Plattform für Nachhaltigkeit. Als Einrichtungsbloggerin sattelte sie auf Greenfluencerin um, damit sie stattdessen mehr Menschen Inspiration für die Vorteile einer nachhaltigen Lebensweise geben kann. Sie ist davon überzeugt, dass es den meisten von uns besser damit gehen würde, ein Leben im Rahmen der Grenzen unseres Planeten zu führen, anstatt in einem sich heutzutage schnell drehenden Hamsterrad das Konto und die mentale Gesundheit zu belasten. Gemeinsam mit Emma Sundh betreibt sie auch den Podcast Plan-B, bei dem es um das gute Leben nach der Umstellung geht. Maria hat in Eigenregie und gemeinsam mit anderen insgesamt sechs Bücher über Klima, Nachhaltigkeit und Umstellung geschrieben. 2021 landete sie auf Platz 25 der Liste von Schwedens 101 nachhaltigsten Personen.

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