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Maria Soxbo, artikel nr 6.

2021 haben wir die etablierte und preisgekrönte Journalistin und Autorin Maria Soxbo dazu eingeladen, die Nachhaltigkeitsfrage gemeinsam mit uns in den Vordergrund zu stellen – auf eine moderne Weise, die Interesse weckt. Wir denken, dass der erste Schritt darin besteht, dahin gehendes Bewusstsein zu schaffen, um danach gedanklich zu reifen und in langfristige Handlungen umgesetzt zu werden. Wenn Maria zu diesem Thema Stellung nimmt, gelingt es uns hoffentlich, sowohl die Vernunft anzusprechen als auch zu Taten zu motivieren.

Die Küche – das Herz des Hauses oder das Statussymbol unserer Zeit?

Wenige Räume spielen eine so zentrale Rolle in unserem Leben wie die Küche. Hier essen wir, vom Haferbrei und Freitags-Tacos bis zum edlen Silvesteressen. Hier sitzen wir bei einem Glas Wein zusammen, machen mit den Kindern Hausaufgaben, backen Zimtschnecken und putzen die letzte Pilzernte des Herbstes. Bei einem Fest landen die Gäste bekanntermaßen früher oder später immer in der Küche, und der gedeckte Tisch ist meist unser liebster Treffpunkt. Und nichts zeugt so sehr von Gemütlichkeit wie die Düfte, die sich vom Herd her ausbreiten.

Essen muss man, sonst stirbt man – und deswegen ist und war die Küche immer ein zentraler Ort in unserem Zuhause. Aber manche Dinge haben sich doch verändert. Früher haben wir hier unsere Rohprodukte eingekocht, entsaftet und konserviert, um sie länger haltbar zu machen. Mittlerweile ist die Küche eher der Platz, an dem wir alle Lebensmittel- und Takeaway-Verpackungen für den Müll trennen. In manchen Küchen werden natürlich immer noch hervorragende Gerichte und duftendes Gebäck zubereitet. Aber heutzutage verbringen wir nur viele Stunden mit Kochen und bei der Zubereitung, wenn es unsere Leidenschaft ist. Wenn das Interesse fehlt, regiert jedoch „schnelles und einfaches Kochen“.

Maria Soxbo ist Journalistin, Autorin und Mitbegründerin von Klimatklubben.

Stattdessen nimmt die Ästhetik im Herz des Hauses einen immer größeren Platz ein. Heutzutage wird relativ wenig darüber gesprochen, wie eine Küche gestaltet sein sollte, um praktisch zu sein, dafür um so mehr über die Materialwahl, die Farben der Türen, versteckte Haushaltsgeräte und offene Ablagen. Die Küche ist zum vorrangigsten Statussymbol des Hauses geworden – und damit ist die Form oft wichtiger als die Funktion. Eine pflegeleichte Edelstahlspüle, die man beinahe nicht verschleißen kann, verkörpert keinen Status mehr. Stattdessen ist eine beneidenswerte und luxuriöse Küche Status, die sich gut in Instagrams quadratischem Bildformat macht.

Küchentrends werden immer kurzlebiger und extremer. Arbeitsplatten aus empfindlichen Steinsorten, die keine verschütteten Flüssigkeiten vertragen, und aufwendige Lichtstrahler an der Decke, durch die unsere eigenen Körper auf der Arbeitsplatte Schatten werfen, sind eher die Regel als die Ausnahme. Unsere Küche soll heutzutage unser persönliches Markenzeichen darstellen, und deswegen ist es nicht mehr ungewöhnlich, dass eine kaum benutzte Küche herausgerissen wird, wenn wir in eine neue Wohnung umziehen, weil sie uns rein vom Aussehen her nicht mehr gefällt. Die Klimabelastung ist komplett, wenn wir außerdem oft die Küche renovieren, um den Wert der Wohnung vor einem Verkauf zu steigern – nur um dann zu sehen, wie das Ergebnis von den neuen Eigentümern mit anderen Stilvorlieben verworfen wird.

13 gebrauchte Küchen kommen auf 1 neue, bezogen auf den Ausstoß – die Auswirkung auf das Klima wird um 92 % reduziert. Noch besser ist es, die existierende Küche neu zu streichen, denn dann verringern sich die Auswirkungen auf das Klima um ganze 97 %. Hier sind Entscheidungen zu treffen, die zu einer Welt passen, die auf Nachhaltigkeit umstellt. Aber vielleicht handelt es sich hierbei noch viel mehr um ein komplettes Umdenken?

Die Küche ist das Herz des Hauses. Der schönen Umschreibung liegt nicht die luxuriöse Materialauswahl oder die saisonale Trendfarbe zu Grunde. Stattdessen geht es um alles, was die Küche symbolisiert. Wärme, Sicherheit, Sättigung. Rohzutaten, die zu einer gut duftenden Mahlzeit verarbeitet werden, um die wir uns versammeln können. Beziehungen, Geschmackserlebnisse und Erinnerungen.

Und nichts davon erfordert eine empfindliche Arbeitsplatte aus portugiesischem Kalkstein oder einen rostfreien Weinkühlschrank für teures Geld. Ganz im Gegenteil, einige meiner schönsten Erinnerungen an Essen bestehen aus Pizza-Kartons auf einem vom Umzug staubigen Küchenboden, aufgewärmten Reste-Essen nach der Heimkehr mit dem neu geborenen Familienmitglied von der Entbindungsstation und ein lümmelhaftes „Brinner“ (Frühstück zum Abendessen) auf Wunsch der Kinder nach einem langen Ausflugstag.

Frisch gebackene Zimtschnecken schmecken in der abgenutzten Küche aus den 1980-er Jahren genauso gut wie in der makellosen 2020-er Küche. Und wenn wir uns die Renovierungen bis zu dem Tag aufsparen, an dem sie wirklich notwendig sind, ist sowohl mehr Zeit als auch mehr Geld vorhanden, für das, was wirklich etwas bedeutet. Die Mahlzeiten. Die Feste. Die Zukunft.

Maria Soxbo ist Journalistin, Autorin und Mitbegründerin von Klimatklubben, einer Plattform für Nachhaltigkeit. Als Einrichtungsbloggerin sattelte sie auf Greenfluencerin um, damit sie stattdessen mehr Menschen Inspiration für die Vorteile einer nachhaltigen Lebensweise geben kann. Sie ist davon überzeugt, dass es den meisten von uns besser damit gehen würde, ein Leben im Rahmen der Grenzen unseres Planeten zu führen, anstatt in einem sich heutzutage schnell drehenden Hamsterrad das Konto und die mentale Gesundheit zu belasten. Gemeinsam mit Emma Sundh betreibt sie auch den Podcast Plan-B, bei dem es um das gute Leben nach der Umstellung geht. Maria hat in Eigenregie und gemeinsam mit anderen insgesamt sechs Bücher über Klima, Nachhaltigkeit und Umstellung geschrieben. 2021 landete sie auf Platz 25 der Liste von Schwedens 101 nachhaltigsten Personen.

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