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Maria Soxbo, artikel nr 8.

2021 haben wir die etablierte und preisgekrönte Journalistin und Autorin Maria Soxbo dazu eingeladen, die Nachhaltigkeitsfrage gemeinsam mit uns in den Vordergrund zu stellen – auf eine moderne Weise, die Interesse weckt. Wir denken, dass der erste Schritt darin besteht, dahin gehendes Bewusstsein zu schaffen, um danach gedanklich zu reifen und in langfristige Handlungen umgesetzt zu werden. Wenn Maria zu diesem Thema Stellung nimmt, gelingt es uns hoffentlich, sowohl die Vernunft anzusprechen als auch zu Taten zu motivieren.

Ein Trendbericht für die Zukunft.

Jahreswechsel, Wechsel der Jahreszeiten, Stilwechsel. Nun sind die Monatszeitschriften erneut voll mit Trendberichten darüber, wie der Frühling 2022 in Form und Farbe, Muster und Material gestaltet werden soll. Die Modebranche diktiert frische Richtlinien für unseren Kleiderschrank, die Inneneinrichtungsbranche bringt das Gleiche für unser Zuhause heraus. Ein frischer Trend-Wind weht durch unsere Vorhänge aus Leinen und die Frage stellt sich zwangsläufig: Dürfen sie hängen bleiben?

Maria Soxbo ist Journalistin, Autorin und Mitbegründerin von Klimatklubben.

In der Regel ist die Gefahr groß, dass die Antwort Nein sein wird. Die Vorhänge haben höchstwahrscheinlich nach ein oder zwei Saisons ausgedient und landen im besten Fall auf einem sowieso schon überfüllten Secondhand-Markt – im schlechtesten Fall auf dem Friedhof der Heimtextilien. Das gemütliche und bodenständige zerknitterte Leinen wird gegen das nächste angesagte Material ausgetauscht. Weicher Samt? Knisternde Baumwolle? Schimmernde Seide? Der Markt ist ein Kartenhaus, das immer noch fest auf unserer Unbeständigkeit, Ängstlichkeit und dem Willen, sich anzupassen, steht. Ein persönlicher Stil ist selten so persönlich, dass er sich nicht ändern kann, so oft der Markt es möchte. Jedes dritte Jahr. Jedes zweite. Zweimal im Jahr.

Das Kartenhaus des Marktes ist außerdem auf fossilen Brennstoffen und übermäßigem Konsum aufgebaut. An dem Tag, an dem wir es wagen, in neuen Bahnen zu denken, wird eine Karte hier und eine Karte dort zu wackeln beginnen. Ersetzten wir Fast Fashion durch Secondhand, dann rutscht das Herz-Ass plötzlich weg und reißt einige Wände des zerbrechlichen Gebäudes mit sich. Wenn eine neun Jahre alte Küche wider Erwarten dableiben darf, obwohl die Wohnung einen neuen Eigentümer und Instagram-Küchen eine neue Farbe bekommen haben, bricht ein ganzes Kartenhaus-Stockwerk in sich zusammen. Unsere lineare Gesellschaft gestaltet sich immer mehr zu einem Kreislauf um, und das alte, wackelige Kartenhaus wird Stück für Stück durch etwas Sicheres, Moderneres und Nachhaltigeres ersetzt. Vielleicht durch ein Gebäude aus pflegeleichten und recycelten Materialien, mit leicht verständlichen Reparaturanleitungen und genügend Ersatzteilen?

Irgendwo da beginnt dieser Trendbericht. Eine Zusammenstellung davon, was 2022 im Trend liegen sollte, sowohl bei Google wie auch im echten Leben.

ÄSTHETIK: Erdnah. Erde – wie in der Natur. Nah – wie lokal produziert. Anstelle weit über die Grenzen unseres Planeten hinaus zu leben, tun wir das Gegenteil – und beginnen da, wo wir stehen.

FORM: Der Kreis. Die Zeit des Linearen ist vorbei, es scheint nicht mehr angemessen zu sein, in von Kohle betriebenen Fabriken jungfräuliche Rohwaren zu kurzlebigen Produkten zu verarbeiten, die nur eine kleine Weile in unserem Besitz sind, bevor sie weggeworfen werden. Stattdessen schließt sich der Kreislauf, und als Bonus landen die Wörter „Müll“ und „Abfall“ ein für alle Mal auf der „Out“-Liste.

MATERIAL: Erneuerbar. Egal, ob es sich um den Strom für die Fabriken oder die Rohstoffe für die Herstellung handelt: Die Erneuerbarkeit wird der gemeinsame Nenner sein. Im Design der Zukunft wird folglich weder Kohlekraft, Polyester noch Marmor eine Rolle spielen.

DESIGN: Wartbar. Vergessen Sie das vormals gehypte Verkaufsargument „wartungsfrei“ – wir haben doch inzwischen eingesehen, dass es eigentlich „einmal-“ bedeutet. Denn das, was nicht gewartet, gepflegt, repariert und instand gehalten werden kann, ist doch per definitionem dazu verurteilt, früher oder später weggeworfen zu werden.

FARBE: Transparent. Die Produkte der Zukunft kommen in allen Farben daher, sind jedoch gleichzeitig immer transparent. Wir wissen, wo etwas produziert wurde, von wem und zu welchem Preis. Schadstoffemissionen, Wasserverbrauch, Auswirkungen auf die Umwelt. Der Konsument der Zukunft stellt hohe Anforderungen – zu Recht.

Wechsel der Jahreszeiten. Und es flattert in einem zerknitterten Vorhang aus Leinen. Doch keine Angst, es ist kein unbeständiger, nach fossilen Brennstoffen riechender Trendwind, der dieses Mal weht, sondern eine frische Brise aus der Zukunft. Frei von Luftverschmutzung und Klimaangst. Es ist eine Vorahnung von dem, was kommen wird – wenn wir uns nur trauen, unsere eingetretenen Pfade zu verlassen und in neuen Bahnen zu denken. Also lassen Sie die Gardinen hängen, Sie haben sie doch gekauft, weil sie schön waren. Und das sind sie noch immer, oder?

Maria Soxbo ist Journalistin, Autorin und Mitbegründerin von Klimatklubben, einer Plattform für Nachhaltigkeit. Als Einrichtungsbloggerin sattelte sie auf Greenfluencerin um, damit sie stattdessen mehr Menschen Inspiration für die Vorteile einer nachhaltigen Lebensweise geben kann. Sie ist davon überzeugt, dass es den meisten von uns besser damit gehen würde, ein Leben im Rahmen der Grenzen unseres Planeten zu führen, anstatt in einem sich heutzutage schnell drehenden Hamsterrad das Konto und die mentale Gesundheit zu belasten. Gemeinsam mit Emma Sundh betreibt sie auch den Podcast Plan-B, bei dem es um das gute Leben nach der Umstellung geht. Maria hat in Eigenregie und gemeinsam mit anderen insgesamt sechs Bücher über Klima, Nachhaltigkeit und Umstellung geschrieben. 2021 landete sie auf Platz 25 der Liste von Schwedens 101 nachhaltigsten Personen.

@mariasoxbo.se
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